Wo ist mein Gehirn?

Meine Installationen sind Hinterlassenschaften eines post-existentialistisch geprägten Individualisten; da hat ein Künstler-Typ offensichtlich intensiv versucht, seine unmittelbare Umgebung zu einem allseitigen Bild-Kosmos zu organisieren. Man begegnet einem chaotisch-mannigfaltigen Konvulut aus alltäglichen Dingen, verschiedenen organischen und anorganischen Stoffen mit ihren Farben und Gerüchen;  alles zusammen bildet einen mikroidiotisch durchgestylten Problemhaushalt.  

Einige Details dieser Psychotope lassen als Ergebnisse von Rationalisierungsstrategien eine gewisse Notwendigkeit nach personaler Emanzipation erkennen, so z.B. mit dem  Brotmesser distanzierend-geometrisch aufgetragene Bio-Massen (Nutella und Konfitüre) oder etwa auf pseudo-bürgerliche Möbelfragmente applizierte Schockoquadrate. Auch kann man einen Hang zu serieller Wiederholung bemerken, wenn sich z.B. routiniert mit Senf bestrichene Wurst-Pappteller analog zur minimal art  tendenziell endlos aneinander reihen... anscheinend geht es hier auch um die physiologistische Reduktion des eigenen Leibes auf eine seriell konsumierende und permanent verdauende Organmaschine. Darauf weisen auch die ins Environment implantierten Apparate aus Altglas und Laborgefäße hin: Psychochemische Wunsch-Behälter, kommunikativ miteinander so vernetzt, dass zwischen ihnen libidinöse Austauschprozesse stattfinden können. Dabei erinnert ihre Funktionsweise schrecklicherweise auch an lebenserhaltende Gerätemedizin, was vielleicht die beunruhigende Frage aufwirft, ob letzten Endes der Mensch nichts anderes als eine wunderbar-komplexe Maschine ist, die mit ihrem Tod aufhören wird, Seelisch-geistiges aus ihrer Stoffwechsel-Ökonomie emergieren zu  lassen. 

Es handelt sich also um braunbunte Individual-Monaden, in deren Grenzen ein (über-?) informiertes Subjekt damit beschäftigt war, seine körperlichen und seelischen Innenweltphantasien restlos zu entäussern. Als Folge dieser anti-reduktionistischen Manie wuchs der 3-dimensionale Flächenraum entropisch zu. Seine phrenetischen Versuche, Gefühle und Gedanken als die unterstellte Folge von Gehirnprozessen zurück an die umweltlichen Gegenstände und Stoffe zu binden, ließ dieses Subjekt mit seinen emotionalen Materialablagerungen und apparativen Prothesen so stark verwachsen, dass sich die Grenze zwischen Innen und Aussen im ästhetischen Spiel endlich verloren hat. (Oliver Ross, 2004)