ECHT VOLL IRGENDWIE Tondichtung
 

Wortschnappschüsse, brachylogische Phrasen aus Ton, Körper des Gesprochenen in Zeilen, Satzellipsen ellipsenförmig um das Wörtchen SO gruppiert, so. Am höchsten hängt: DAS HÖCHSTE DER GEFÜHLE, zuunterst die BEITRAGSBEMESSUNGSGRENZE.

Schreiben, welches sich in der Exponierung selbst verräumlicht.

Einen Begriff wie BEITRAGSBEMESSUNGSGRENZE aufzulesen und plastisch auszubilden, um ihn dann auf zweieinhalb Meter Länge an die Wand zu nageln, ist aufwendig und komisch – weniger allerdings, wenn man sich seinen messerscharfen Klang auf der Zunge zergehen lässt (Onomatopoiesis). So indes wird eine Sprachschwelle berührt, über die wir im Alltag gerade mit einem Schritt hinweggehen.

Gongartiges Nachdröhnen.

Die installative Hängung sieht IRGENDWIE Bedeutung bildend aus, denn es macht Wörter VOLL zu Überschriften. Da genügen Verkürzungen, Texte mit verschwiegenen Versprechen. Eine Politik des Beliebigen – im schönsten Sinne. Weil sie ECHT jedes Wörtchen einzeln untersockelt. Wir nennen das ONTO-PÄDIE. Damit ist eine Praxis angezeigt, bei der sich jede Wendung Geltung verschafft. Doch YES die ontopädische Praxis erwirkt NO Seinsaufhellung. Sie ist bloße Geste.

Auf der Grenze zwischen Skulptur und Bild, quasi ein UND. Textrelief und Wortfleck.

Institutionen und Geschäfte lassen sich ihr Wortmaterial industriell fertigen (HAMBURGER STAATSOPER, CHANEL, BUNDESPRESSEKONFERENZ). So lässt sich schon im Freien die Qualität installierter Schriften erkunden. In Kunsträumen kommt dann auch das handwerklich Zurechtgewerkelte zum Zug. Galerien stehen mit ihren einstweiligen Aufbauten zwischen den festen Montagen und dem nur so Dahingesagten.

›Jedes Wort ist Simultanität von mindestens zwei Worten, dem gesagten und dem gehörten – und sei es nur von mir selbst, – das heißt dem Erneutgesagten.‹ (J. L. Nancy)

Die Emanzipation des Sprechens als Gegenstand. Und mit Gegenständen Gesprochenes. Einem Wort Gewicht gegeben. Ägypter schnitten einst ihre Rechnungen in Ton, jetzt sind Buchstabierkolonnen aus Ton daraus geworden. Sprüche-machen wörtlich genommen. Dem Geäußerten ein Äußeres verliehen.

Simon Starke, echt – voll – irgendwie, (Installationsansicht), 2014
 
 
Simon Starke, Beitragsbemessungsgrenze, 2014, gebrannter Ton, 8 x 200 x 2,5 cm, (24 Buchstaben, einzeilig)
 
 
Simon Starke, Erst nochmal alles, 2014, gebrannter Ton, 55 x 68 x 2,5 cm, (16 Buchstaben, dreizeilig)
 
 
Simon Starke, The Lack of Evidence Is the Evidence of Lack, 2014, gebrannter Ton, 56 x 130 x 2,5 cm, (36 Buchstaben, vierzeilig)
 
 
Simon Starke, Geraume Wurst, 2014, gebrannter Ton, 8 x 107 x 2,5 cm, (12 Buchstaben, einzeilig)
 
 
Simon Starke, Das Höchste der Gefühle, 2014, gebrannter Ton, 26 x 92 x 2,5 cm, (20 Buchstaben, zweizeilig)
 
 
Simon Starke, Yes, No On-to-pädie, 2014, gebrannter Ton, 8 x 150 x 2,5 cm, (20 Buchstaben, 3 Zeichen, zweizeilig)
 
 
Simon Starke, Echt voll irgendwie, 2014, gebrannter Ton, 24 x 75 x 2,5 cm, (17 Buchstaben, zweizeilig)
 
 
Simon Starke, Qualität! Ja, schön, aber welche?, 2014, gebrannter Ton, 70 x 100 x 2,5 cm, (25 Buchstaben, 4 Zeichen, vierzeilig)
 
 
Simon Starke, So, 2014, gebrannter Ton, 8 x 15 x 2,5 cm, (2 Buchstaben, einzeilig)
 
 
Simon Starke, Searching Sucks, 1994/2014, Leuchtleiste, Holzbuchstaben, Kabel, ca. 12 x 150 x 5 cm
 
 
Simon Starke, Ich finde es interessant, über Dinge nachzudenken, 2014, tapeziertes Plakat,
350 x 250 cm, (Auflage 3, plus 2)