Nino Kvrivishvili 
 
I ASKED MYSELF
 
Rundgang der Galerien auf der Fleetinsel
 
Donnerstag, 15:00 - 20:00 Uhr
Freitag, 12:00 - 20:00 Uhr
Samstag, 12:00 - 15:00 Uhr
 
Buchrelease: Mittwoch, 13. Oktober, 18:00 - 21:00 Uhr
 
Ausstellungsdauer: 10. September - 17. Oktober 2021
 
Öffnungszeiten September: Donnerstag & Freitag, 14:00 - 18:00 Uhr und nach Vereinbarung
 
MIt freundlicher Unterstützung von der Stiftung Kunstfonds im Rahmen von Neustart Kultur 
 
 
End of Psüch - ÜBER - ICH
 
Ausstellungsdauer: 8.7 - 31.7. 2021
 
Die dritte Instanz der dreiteiligen Ausstellung
 
Fabian Beger, Katharina Duve, Robin Hinsch, Soyon Jung, Timo Roter, Tex Rubinowitz
 
Öffnungszeiten: Dienstag & Mittwoch: 15:00 - 18:00 Uhr oder nach Vereinbarung.

Special:
Musikvideo Release - Nur weil du mir deine Wunden zeigst, bist du noch lange nicht mein Heiland
School of Zuversicht
Regie, Kostüm, Schnitt: Katharina Duve 
Kamera: Helena Wittmann 
 
Eröffnung: 8. Juli 2021 von 16:00 - 21:00 Uhr mit einer Installation von Einsiedel & Jung im Innenhof 

Die erste, zweite & dritte Instanz — Franziska Nast (7.05.—31.07.2021)

Weitere Infos und mehr Details zum Rahmenprogramm folgen in Kürze!

We love MARIA and MARIA loves us
Eine Kunst-Performance über: Religion, Heilung, Carework, Gender und Clubbing
Performance: Hark Empen
Konzept, Choreografie: Barbara Schmidt-Rohr


***
Podcast:
Der Bürgermeister der Nacht
Neues aus der Opiumhöhle zum Thema Psyche & Kunst
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Finissage:
Konzert/Trompetensolo David Mechsner 
Erdbeerbowle mit Lydia Jung

Gefördert von der Poolhaus Stiftung Blankenese
Gefördert von der Stifung Kunstfonds im Rahmen von Neustart Kultur
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von Neustart Kultur

Programm & Text zur Ausstellung

 

Eine exemplarische Emanzipationsgeschichte in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie.

Barbie wurde seit ihrer Geburt als Ideal einer Puppe geliebt wie gehasst. Es gab sie in fast jedem Kinderzimmer und auf den Kaufhausregalen stand sie über Jahrzehnte in der ersten Reihe. Sie war per se unbefleckt, strahlend schön und erfüllte mit ihrem Auftreten – sie konnte Prärie Barbie, Schneewittchen Barbie oder Business Barbie sein - jede Rolle. Selbst als ihre Brüste abgeflacht wurden, spielte sie mit. Doch hier greife ich vor.

Ihre Erfinder, juristisch korrekt Matters Inc., schufen und normierten, wie sich herausstellen sollte, ihr Wertgeschöpf überfürsorglich. Mit einem Copyright implementierten sie Barbie das ihr eigene Alleinstellungsmerkmal. Nur Matters Inc. durften sagen, so ist Barbie, ja, so hat sie zu sein. Und Barbie richtete sich danach und Barbie wuchs. Sie bevölkerte mit ihrem idealen Selbst unsere Welt. Wir kämmten sie, rissen ihr die Beine aus oder lernten, wie mit Ken umzugehen sei. Durch sie lernten wir aber auch, dass wir anders waren, dass wir dick, krumm oder unsichtbar sein konnten. Vielleicht mochte ich es deshalb sehr, sie mit ihren Artgenossen kopfüber in einer Kiste verrenkt zu sehen und etwas erleichtert festzustellen, dass das nur Plastik sei, eine Puppe.

Nun erinnert ihr Euch eventuell an den Rechtsstreit im Jahr 1997 zwischen Matters Inc. gegen die schwedischen Popgruppe Aqua und ihren Song „Barbie Girl“, der durch die Schlagzeilen lief. Ein juristischer Präzedenzfall, welcher mit dem mit dem Argument geführt wurde, dass Barbies Image durch ihre Porträtierung als „Bimbo Girl“ im Songtext beschmutzt würde. Während in der Öffentlichkeit also erbittert um die Bestimmung von Barbies moralischer Integrität gerungen wurde, die Klage wurde zuletzt abgewiesen, schien Barbie selbst ein ungeheures Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Ich weiß davon zu berichten, da ich sie vor nicht allzu langer Zeit in einer TV-Show sprechen hörte. Die Veranstaltung fand 20XX in dem Theaterskript eines Richard Lanhams statt, wo in einer ziemlich illustren Runde darüber resümiert wurde, dass eine neue Aufmerksamkeitsökonomie daran Schuld sei, kulturelle Urheberschaft heute so interessant gemacht zu haben und wie dies juristisch zu regeln sei. Für Barbie ein existenzieller Wendepunkt.

 Im Verlauf des Gesprächs bestätigte der ebenfalls als Experte und langjährig Betroffener eingeladene Autor und Barbie sehr zugewandt, dass ihr neue Realität wirklich blendend laufe: „Je mehr du nach dir Ausschau hältst, desto mehr findest du dich. Fast überall, wohin du blickst“ und fuhr fasziniert fort: “Tatsächlich ist das Netz an kulturellen Referenzen, während ich dich studiert habe, so komplex geworden, dass ich ein Diagramm machen musste, um mir Klarheit zu verschaffen.“ Woraufhin sie antwortete: „Ja, was glaubst du, warum wechsle ich meine Kostüme so oft? Das war nicht“ (hier tätschelte sie ihn) „um zu necken, sondern um meine Allegorie ganz klar zu machen. Ich bin die ganze stilistische menschliche Vorstellungskraft, durchdrungen von Sexualität, aber was hast du denn anderes erwartet?“

Es war eine Freude zu hören, wie sie absolut gelassen und bezaubernd bestimmt das Offensichtlichste auf den Punkt brachte. Sie sei nicht nur im Scheinwerferlicht, sie sei das eigentliche Scheinwerferlicht. Sie sei der Motor des kulturellen Gesprächs, denn sie beherrsche das Spiel um Aufmerksamkeit wie kein andrer und mit ihrem Eintritt in das öffentliche Gespräch sei sie ihren Urhebern, den Puppenmachern, nun wahrlich entwachsen: „Alle haben mich geschrieben.“ - „Das kulturelle Gespräch hat mich gemacht.“ - bis hin zu dem eigentlichen Höhepunkt: „Ich bin das kulturelle Gespräch“.

Und da horchte ich dann wirklich auf. Denn ist dies nicht eine fantastische Emanzipationsgeschichte? Nach dieser Neubegegnung mit Barbie - und einer intelligenten, artikulierten, wenn auch immer noch schrecklich auf ihre Äußerlichkeit bedachten – Barbie, fragte ich mich: Gilt diese exemplarische Erfolgsgeschichte nicht auch für mich? Finde ich mein besseres Selbst nicht ebenfalls über die Rolle im und Teilhabe am öffentlichen Gespräch? Sprengt mein Scheinwerferlicht nicht ebenfalls die Restriktionen tradierter Normen und Werte und öffnet mich zu einem ungeahnten und schillernden Fächer an Alleinstellungsmerkmalen. Nicht meine Gebärer, Erzieher, die Tradition, Gott oder der Staat stellen mir meine Wertschätzung aus, sondern potenziell alle! Potenziell alles, um die eigentlich revolutionäre Sachlage korrekt auszudrücken. Das ist die wahre Erlösung meiner moralinen Integrität! Über-Ich war gestern! Text: Franziska Glozer

 

 

End of Psüch - ES
 
Ausstellungsdauer: 4.6 - 26.6. 2021
 
Die zweite Instanz der dreiteiligen Ausstellung
 
Mariola Brillowska, Veronica Burnuthian, Jessica Herden, Clemencia Labin, Jessica Leinen, Oliver Ross
 
Eröffnung: 4. Juni 2021 von 14:00 - 20:00 Uhr mit einer Installation von Einsiedel & Jung im Innenhof   sowie eine Performance von JAJAJA: Akustischer Traumspaziergang zum Trieb um 17:00 Uhr und um 19:00 Uhr.

Die erste, zweite & dritte Instanz — Franziska Nast (7.05.—1.08.2021)

MIt freundlicher Unterstützung von der Stiftung Kunstfonds im Rahmen von Neustart Kultur & der Poolhaus Blankenese Stiftung.

Herrschaften, Sie werden nie etwas vom bunten Stoff des Lebens erhaschen können, wenn Sie sich nicht eines zu Eigen machen: Das Geschlecht regiert das Leben. Die Feder, mit der man seiner Geliebten oder seinem Schuldner schreibt, stellt ein männliches Element dar, und der Postkasten, in den wir den Brief stecken, ein weibliches Element. 4 Und so muss man sich das gesamte Alltagsleben vorstellen. Alle Kinderspiele beispielsweise sind auf Erotismus gegründet (das muss man sich ganz besonders merken). Ein Knabe, der wütend seinen Brummkreisel peitscht, ist ein unbewusster Sadist. Den Ball (bevorzugt größeren Umfangs) liebt er, weil er an die weibliche Brust erinnert. Das Versteckspiel erweist sich als emiratisches (tiefes, geheimes) Bestreben, in den mütterlichen Schoß zurückzukehren. Dieser Ödipuskomplex wird auch in einigen unserer volkstümlichen Schimpfwörter reflektiert. Wohin wir auch das Auge oder den Blick werfen - überall sexuelle Elemente. Wenden wir uns nur ganz gewöhnlichen Berufen zu - da sind sie schon: der Architekt baut ein Haus (lies: macht jemandem den Hof), der Kameramann kurbelt (lies: masturbiert), die Ärztin schaut nach dem Kranken (lies: dieser wird gesund und schaut der Ärztin nach). Philologen bestätigen, dass die Ausdrücke „das Barometer fällt“, „herabgefallenes Blatt“, „gestürztes Pferd“ - Anspielungen (unbewusster Art) auf eine gefallene Frau darstellen. Betrachten Sie auch „Geiger“ und „Lackierer“ unter dem Gesichtspunkt der Sexualfrage. Hierher gehören auch Wörter wie „Spritztour“, „Tiefbohrung“, „Besenritt“. Es gibt auch viele Vornamen, die von Erotismus durchdrungen sind: Minna, Amanda, Bettina, Vicky, und die Spanier haben sogar den Namen „Juan“ (von „Don Juan“). (1931)

Sie scheinen nichts von Freud zu halten?

Das stimmt nicht ganz. Als komischen Autor schätze ich Freud sehr. Wie er die Emotionen seiner Patienten und ihre Träume erklärt, das ist unglaublich burlesk. [Man muss ihn übrigens im Original lesen!] Ich begreife nicht, wie man ihn ernst nehmen kann. Reden wir bitte nicht mehr von ihm. (1975)

(Vladimir Nabokov)

Programm & Text zur Ausstellung

 

 

End of Psüch - ICH

 
Ausstellungsdauer: 7.5 - 27.5. 2021

Die erste Instanz der dreiteiligen Ausstellung

Anna Lena Grau, Ida Lennartsson, Hannah Rath, Verena Schöttmer, Aleen Solari, Gesa Troch

Installation im Innenhof von Einsiedel & Jung

20. Mai 2021 ab 16:00 Uhr, mit einer Performance von Dancing Queen Maskulin um 20:00 Uhr

Die erste, zweite & dritte Instanz — Franziska Nast (7.05.—1.08.2021)

MIt freundlicher Unterstützung von der Stiftung Kunstfonds im Rahmen von Neustart Kultur & der Poolhaus Blankenese Stiftung.

ICH ist woanders — Das Ich ist ein Work-in-Progress, dessen Weiterentwicklung fraglich und dessen ultimativer Verfall gewiss ist. Auf das Ich dringen aus den dunklen Regionen des Es wüste Triebe und ausgelassene Impulse ein. Von oben herab wirft das Über-Ich das scharfkantige Licht der Zensur wie ein gleißender Kontrollscheinwerfer auf die Wallungen der Lust und der Wut und schaltet sie stumm oder lenkt sie um. Umzingelt von Dionysos und Apollo, der Ausschweifung und der Ordnung, versucht das Ich das Über-Ich abzuhängen und das Es zugleich in Schach zu halten. Sigmund Freuds psychologischem Dreigespann aus hemmungslosem Lustprinzip, gestrenger Überwachung und dazwischen gekeilter Vermittlungsinstanz steht das Selbst gegenüber. Oder vielmehr: Das Selbst steht zugleich innen und außen und schaut in Personalunion aus sich heraus und in sich hinein. 

Denn während es das eigene Ich-Sein reflektiert, umspannt das Selbst alles, was dazu gehört. Das Selbst ist sich seiner Handlungen bewusst und betrachtet sie gleichermaßen aus der Distanz, bedient beim Selfie seiner (und ihrer) Selbst den Auslöser und ist simultan das Sujet des von sich ausgehenden Blicks. Auch in den Feldern der Kunst heißt das Resultat des Sich-ins-Bildsetzens eben nicht Ich-Portrait, sondern Selbstportrait, das wiederum von Selbstbefragung bis zu Selbstvergewisserung und Selbstbehauptung rangieren kann. Oder das, wie bei Rembrandt, im rasanten Wechsel der Personifikationen zur Selbsterkundung durchgespielt wird. In seinen Selbstbildnissen setzte sich der niederländische Barockmeister zwischen jungem Draufgänger und Elder Statesman mal kühn, mal keck, mal mit überrascht aufgerissenen Augen, mal würdevoll, mal verschattet, mal herzhaft lachend in Szene und blieb sich dennoch im Wesentlichen treu. 

Was Rembrandts Rollentausch im 17. Jahrhundert, Freuds Drei-Instanzen-Modell von 1923 und die Selfies heutiger Instagram-Kultur teilen, ist die Idee, dass das Ich eine Konstruktion ist, die im Selbst(-Bild) zur Anschauung, wenn schon nicht zur Verwirklichung kommt. Sprühen bei Rembrandts malerischen Deklinationen des Selbst auf der Skala von Es bis Über-Ich noch die subversiven Funken des ersteren, wird das Über-Ich in der Selfie-Manie unserer Zeit als umfassende Regieführung der Selbstdarstellung dominant. Die akkurat in Pose gesetzte libidinöse Zügellosigkeit ist hier ebenso sehr eine Maskerade wie die gemainstreamte Visage eines Selbst, das sich hinter den schillernden Fiktionen und Fassaden der Beauty-Filter verschanzt, bevor es vom kühlen Auge der digitalen Öffentlichkeit als perfektionsfern enttarnt werden kann. 

Freuds topografisches Konzept platziert das Ich mittig zwischen Es (unten, eher bodensatz- oder höllennah) und Über-Ich (sitzt dem Ich in erhöhter Position buchstäblich auf dem Dach). Im Daueraufnahme-Modus der Smartphone-Selbstportraits verliert sich das Ich derweil in den Testläufen ständiger Visualisierung und Transformation: Ich ist woanders und wabert jenseits von Gut und Böse im virtuellen Raum umher. Beides verhält sich konträr zur ästhetischen Vision des französischen Poeten Arthur Rimbaud. Wie er in einem Brief an seinen Freund Paul Demeny 1871 erklärt, zielt der Dichter auf die „Entgrenzung aller Sinne: „Denn ICH ist ein anderer. (…) Alle Formen der Liebe, des Leidens, des Wahnsinns; er durchforsche sich selbst, er schöpfe alle Gifte seines Wesens aus und bewahre nur ihre Quintessenz für sich. Unsagbare Folter, für die er seinen ganzen Glauben braucht, seine ganze übermenschliche Kraft, und durch die er unter allen Wesen der große Kranke, der große Verbrecher, der große Verdammte  – und der Allwissende wird! – Denn er kommt an im Unbekannten!“* 

In Rimbauds Ich-Erweiterung, die als riskante Expedition ins Abgründige mit ungewissem Ausgang angelegt ist, geht der Dichter als „Seher“ und als „Dieb des Feuers“** voran. „Er ist beladen mit der ganzen Menschheit, sogar mit den Tieren; er muß, was er erdichtend entdeckt, fühlbar machen, tastbar, hörbar, und wenn das, was er von da unten heraufholt, Form besitzt, so gibt er es als Form; ist es formlos, dann gibt er das Formlose. – Eine Sprache finden (…).“*** Wenn auch die Zuschreibungen und Verortungen nicht mehr greifen, unten und oben, Ich und Selbst im endlosen Spiegelstadium der gegenseitigen Bebilderung und der Aufhebung herkömmlicher Hierarchien austauschbar geworden sind, so ist doch die Vorstellung und Produktion einer Kunst, in der die Akteur*innen der Entgrenzung, Ausdehnung und Aufweichung ihres Ich Gestalt oder auch Gestaltlosigkeit geben, weiterhin akut. Vor dem expandierenden Horizont unseres unermesslichen, digital reduplizierten Welt-Raums lässt sich ICH als ein in alle Richtungen offenes Agens und Auge weiterdenken, das multiperspektivisch mit sich selbst und vielfältigen Wirklichkeiten in Verbindung steht: zwischen Chaos und Kontrolle balancierend, ein Tanz auf dem Vulkan. (Text: Belinda Grace Gardner)

 * Rimbaud an Paul Demeny (Brief vom 15. Mai 1871). Übers. v. Dieter Tauchmann. Arthur Rimbaud. Mein traurig Herz voll Tabaksaft. Gedichte, franz.-dt. Hrsg. und mit einem Essay v. Karlheinz Barck. Leipzig: Reclam, 2003, S. 164f.

** Ebd., S. 166. 

*** Ebd.

Programm & Text zur Ausstellung von Belinda Grace Gardner

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MARCUS SENDLINGER - PHANTOM RIDE

14.11.2020 bis 16.01.2021

Der Maler, Musiker und Bildhauer Marcus Sendlinger (geb. 1967 in Königstein im Taunus, lebt und arbeitet in Lentzke) collagiert, abstrahiert und rekontextualisiert Relikte des urbanen Lebens, die er auf seinen Reisen sammelt. Bilder von Sonnenuntergängen, Palmen oder Gebirgslandschaften collagiert der Künstler mit dubiosen Werbeanzeigen, Zeitungsausschnitten oder Hotelrechnungen. Der banale Alltag und die reale Welt sind die Inspirationsquelle für Sendlingers prozesshafte Arbeiten, in denen er Siebdruck und Collage mit Malerei verbindet. Er kommentiert damit eine Zeit des überdrehten Überflusses zwischen hoffnungslosem Verfall und fortschreitender Hypermodernität. Als reisender Künstler zelebriert er dabei eine Ambivalenz zwischen Romantik und Abgrund, die seinen Werken innewohnt, und vertraut dem kritischen Blick der Betrachter*innen.

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ALEEN SOLARI & TIMO ROTER

Wir freuen uns bereits sehr auf unsere nächste Ausstellung: eine interdisziplinäre Kollaboration, eine internationale Kombination aus installativer Malerei von Aleen Solari und den Zeichnungen Timo Roters, die in Manila während des Lockdowns entstanden. DAS HÄTTE JEDE IN MEINER SITUATION AUCH GETAN ist der vielversprechende und zum Nachdenken anregende Titel. Mehr dazu in Kürze! 

Öffnungszeiten: Mittwoch von 14:00 – 18:00 Uhr, und nach Vereinbarung

Ausstellungsdauer: 9. - 28. Oktober 2020

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WAHALA - ROBIN HINSCH

3. - 30. September 2020

Öl, Kohle und Gas treiben die Weltwirtschaft an – doch welchen Preis zahlen Umwelt und die Menschen an jenen Orten, an denen die Rohstoffe aus der Erde geholt werden? Der Hamburger Fotograf Robin Hinsch ist für WAHALA an diese Orte gefahren. Seine Arbeit legt die Ausbeutungsmechanismen hinter der Förderung fossiler Brennstoffe offen und dokumentiert, dass es zwischen der Zerstörung von Umwelt und Gewalt gegen Menschen keinen prinzipiellen Unterschied gibt. Hinsch legt mit seinen Fotografien die Widersprüche des Versprechens von ewigem Wachstum offen und zeigt, wie sehr das System des fossilen Kapitalismus unter seiner eigenen Last ächzt.

Die Erde existiert seit viereinhalb Milliarden Jahren, Menschen gibt es seit rund 300.000 Jahren. Der Homo sapiens begann vor rund 11.000 Jahren mit Ackerbau und Viehzucht und vor 250 Jahren damit, versteinerte Wälder in Form von Kohle aus der Erde zu holen. Bis heute ist es vor allem solches fossiles Pflanzenmaterial, das unsere Kraftwerke, unsere Flugzeuge und unseren elektrischen Zahnbürsten antreibt. In einem erdgeschichtlichen Augenzwinkern setzen wir dabei die Energie frei, die einst vor vielen Millionen Jahren entstanden ist.

In der Geschichte der Erde ist das ein einmaliger Moment: dass sich die Tiefenzeit des Planeten mit dem Zeithorizont einer einzelnen Art überkreuzt, die dadurch selbst zum beherrschenden geologischen Faktor aufsteigt. Der Homo sapiens ist so mächtig geworden, dass sein Aufstieg ein neues Erdzeitalter markiert - das Anthropozän.

Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Entwicklung ist Kohlenstoffdioxid. CO2 ist die Einheit des Zeitalters des Menschen. Als farb- und geruchloses Molekül können die menschlichen Sinne es nicht wahrnehmen. Das ist die erste Dimension der Unsichtbarkeit der Krise: das Nichtsehenkönnen.

Die zweite Dimension ist selbst gewählt: Sie hat mit globalen Machtverhältnissen und den Mechanismen von kapitalistischer Ausbeutung zu tun. Hier entscheidet sich die Mehrheitsgesellschaft, die vom Verbrennen billiger Rohstoffe profitiert dafür, die Konsequenzen zu verdrängen. Das ist das Nichtsehenwollen.

An dieser Stelle setzen die Arbeiten des Hamburger Fotografen Robin Hinsch an. Für WAHALA ist er an jene Orte gereist, an denen Erdöl und -gas, Braun- und Steinkohle an die Erdoberfläche geholt werden. Diese Orte liegen gleichermaßen im Zentrum des globalen Extraktionskapitalismus als auch in seiner Peripherie. Zentral, weil von hier die Brennstoffe der globalen Wirtschaft kommen, die alles antreiben. Peripher, weil sie sacrificed area