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Next Show:

FLESH CORALINO - Clemencia Labin, Hamburg

TROPICALIA in der Galerie von Melike Bilir

Es wird schwarz, es wird zitronen-gelb/gold, es wird korallfarben! 

Weiche Stoffe, Formen und Körper aus der Karibik eröffnen eine neue tropikalische Welt und neue Sichtweisen auf Südamerika. 

Die Malerin und Performance-Künstlerin Clemencia Labin aus Maracaibo, Venezuala, zeigt in ihrer Ausstellung „Flesh Coralino“, vom 5. September bis 13. Oktober 2019, Bildobjekte und Skulpturen bei Melike Bilir. Ihre Arbeiten, aus Bikini Lycra und Nylon Strümpfen, geformt und vernäht, teilweise mit Acrylfarbe bemalt, verweisen in ihrer Farbgebung auf ein ikonisches Bild der südamerikanischen Volksmythologie. Es zeigt die heilige Maria Lionza in ihrer kraftvollen und edlen Nacktheit auf einem schwarzen Tapir reitend und dabei einen goldenen Becher in den Himmel reckend. Der Maria-Lionza-Kult ist ein Heilungsritual, das sich vornehmlich in Venezuela aus den ethnischen Religionen Venezuelas, Elementen des Katholizismus und dem afrikanischen Voodoo entwickelt hat. 

Schon seit ihren Anfängen in Maracaibo mit seinen Umzügen, Festivals und Bräuchen, hat Labin einen freudigen, das Publikum einbeziehenden Ansatz verinnerlicht, den sie mit Flesh Coralino trotz aller Erfahrung und Erfolgen in internationalen Ausstellungen und langjähriger neugieriger Verfeinerung ihrer Kunst unbekümmert fortführt. 

Mit dieser spielerischen Lebensfreude und Energie setzt sich die Künstlerin mit einer eigenen universell verständlichen Sprache für ein Verständnis ihrer Kultur jenseits eines kolonialistischen Weltbildes ein, stets im Bewusstsein um ein kollektives Gedächtnis. Im Jahr 2000 etwa initiierte sie in ihrer Heimatstadt das Ausstellungsprojekt „Velada Santa Lucía", das sich über 13 Jahre zu einem über die Grenzen Venezuelas hinaus bekannten Kunstfestival entwickelte. 2011 repräsentierte Labin mit diesem Projekt Venezuela auf der 54. Biennale von Venedig. 2019 führte sie auf der Biennale im Sinne der Demokratie den Protest gegen das Maduro-Regime an. 

Clemencia Labin sieht sich immer zunächst als Malerin, die mit formbaren Stoffen experimentell arbeitet und diese intuitiv und humorvoll mit Techniken und Konzepten aus der westlichen Moderne verbindet. Sie treibt gerne auf die Spitze, bis etwas Magisches und unerhört Schönes entsteht. Ihre Energie lässt sich nicht in zwei Dimensionen bändigen und so gestaltet Labin in ihrer eigenen tropikalischen „Pulpa Chic World“ einen üppigen, überschwänglichen, manchmal barock anmutenden Raum mit kräftigen Farben und weichen Formen, die sie selbst als genuin „karibisch“ beschreibt.Dieser Sinn für intuitive Komposition offenbart sich in den Pulpa, jenen organischen, an Fruchtfleisch erinnernden flauschigen Formen, die sich bewegen, wachsen und in der Wahrnehmung des Betrachters tanzen, wie Korallen im Meer. Sie verleihen dem Werk seine dezidiert körperliche Dimension, die deutlich weicher und verletzlicher ist, als wir es gewohnt sind und die ganz nebenbei unsere Sehgewohnheiten infrage stellt, Konventionen ironisiert und klischeehaften männlichen Chauvinismus als überkommenes Idealbild verspottet. So tauchen wir tief ein in die warme Welt der Korallen, die mit uns zu sprechen scheinen, uns sanft umspülen und sich liebevoll anschmiegen wollen. Wir geben uns einem rauschhaften Erleben hin, das vitalisiert und die Vorstellungskraft anregt, nicht zuletzt, um bestehende Annahmen, wie moderne Kunst zu sein habe, vor dem inneren Auge verschwimmen zu lassen.