VORANKÜNDIGUNG: ALEEN SOLARI & TIMO ROTER

Wir freuen uns bereits sehr auf unsere nächste Ausstellung: eine interdisziplinäre Kollaboration, eine internationale Kombination aus installativer Malerei von Aleen Solari und den Zeichnungen Timo Roters, die in Manila während des Lockdowns entstanden. DAS HÄTTE JEDE IN MEINER SITUATION AUCH GETAN ist der vielversprechende und zum Nachdenken anregende Titel. Mehr dazu in Kürze! 

Eröffnung: Donnerstag, 8. Oktober 2020 von 18:00 - 22:00 Uhr

Öffnungszeiten: Mittwoch von 14:00 – 18:00 Uhr, und nach Vereinbarung

Ausstellungsdauer: 9. - 28. Oktober 2020

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AKTUELL: WAHALA - ROBIN HINSCH
 
Finissage: Donnerstag, 30. September 2020, von 18:00 - 21:00 Uhr

Öffnungszeiten: Mittwoch von 14:00 – 18:00 Uhr, und nach Vereinbarung.

Ausstellungsdauer: 3. - 30. September 2020


Öl, Kohle und Gas treiben die Weltwirtschaft an – doch welchen Preis zahlen Umwelt und die Menschen an jenen Orten, an denen die Rohstoffe aus der Erde geholt werden? Der Hamburger Fotograf Robin Hinsch ist für WAHALA an diese Orte gefahren. Seine Arbeit legt die Ausbeutungsmechanismen hinter der Förderung fossiler Brennstoffe offen und dokumentiert, dass es zwischen der Zerstörung von Umwelt und Gewalt gegen Menschen keinen prinzipiellen Unterschied gibt. Hinsch legt mit seinen Fotografien die Widersprüche des Versprechens von ewigem Wachstum offen und zeigt, wie sehr das System des fossilen Kapitalismus unter seiner eigenen Last ächzt.

Die Erde existiert seit viereinhalb Milliarden Jahren, Menschen gibt es seit rund 300.000 Jahren. Der Homo sapiens begann vor rund 11.000 Jahren mit Ackerbau und Viehzucht und vor 250 Jahren damit, versteinerte Wälder in Form von Kohle aus der Erde zu holen. Bis heute ist es vor allem solches fossiles Pflanzenmaterial, das unsere Kraftwerke, unsere Flugzeuge und unseren elektrischen Zahnbürsten antreibt. In einem erdgeschichtlichen Augenzwinkern setzen wir dabei die Energie frei, die einst vor vielen Millionen Jahren entstanden ist.

In der Geschichte der Erde ist das ein einmaliger Moment: dass sich die Tiefenzeit des Planeten mit dem Zeithorizont einer einzelnen Art überkreuzt, die dadurch selbst zum beherrschenden geologischen Faktor aufsteigt. Der Homo sapiens ist so mächtig geworden, dass sein Aufstieg ein neues Erdzeitalter markiert - das Anthropozän.

Der kleinste gemeinsame Nenner dieser Entwicklung ist Kohlenstoffdioxid. CO2 ist die Einheit des Zeitalters des Menschen. Als farb- und geruchloses Molekül können die menschlichen Sinne es nicht wahrnehmen. Das ist die erste Dimension der Unsichtbarkeit der Krise: das Nichtsehenkönnen.

Die zweite Dimension ist selbst gewählt: Sie hat mit globalen Machtverhältnissen und den Mechanismen von kapitalistischer Ausbeutung zu tun. Hier entscheidet sich die Mehrheitsgesellschaft, die vom Verbrennen billiger Rohstoffe profitiert dafür, die Konsequenzen zu verdrängen. Das ist das Nichtsehenwollen.

An dieser Stelle setzen die Arbeiten des Hamburger Fotografen Robin Hinsch an. Für WAHALA ist er an jene Orte gereist, an denen Erdöl und -gas, Braun- und Steinkohle an die Erdoberfläche geholt werden. Diese Orte liegen gleichermaßen im Zentrum des globalen Extraktionskapitalismus als auch in seiner Peripherie. Zentral, weil von hier die Brennstoffe der globalen Wirtschaft kommen, die alles antreiben. Peripher, weil sie sacrificed areas sind, geopferte Zonen: Gebiete, an denen langfristige Schäden an Umwelt und Menschen in Kauf genommen werden, weil das andernorts Gewinne ermöglicht. WAHALA zeigt, dass die Apokalypse dort schon begonnen hat, auch wenn es einem als Konsumenten leicht gemacht wird, das nicht zu sehen. Die Brutalität dieser Orte schafft es selten ins Bewusstsein. Für die Menschen auf den Bildern von Robin Hinsch hingegen sind sie Alltag. Sie haben keine Stimme bei der Entscheidung, ob ihre Heimat zu einer geopferten Zone wird. Stattdessen werden sie mitgeopfert und als Kollateralschäden in Kauf genommen. Was WAHALA zeigt: Zwischen der Zerstörung von Natur und der Gewalt gegen Menschen gibt es keinen prinzipiellen Unterschied. Je genauer man hinsieht, desto unschärfer wird die Trennung.

Bei seinen Recherchen offenbarte sich Robin Hinsch eine Praxis, die besonders seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts massive Schäden auf der Erde verursacht hat. Das dahinterliegende, unter sich selbst ächzende System führt kolonialer Muster fort und kann sich nur durch immer massivere Ausbeutung von Menschen und Natur am Leben erhalten.

Hinsch war in den Jharia-Kohlefelder in Indien, die seit einem Jahrhundert vor sich hin brennen und deren giftiger Rauch jedes Kind, jede Frau, jeder Mann Tag für Tag einatmen muss. Er bereiste die Tagebaugegenden Ostdeutschlands, für deren Abbau noch immer ganze Dörfer aufgegeben und die Bewohner teils gegen ihren Willen umgesiedelt werden. Im schwer zugänglichen Niger-Delta in Nigeria traf er auf Glücksritter und Verzweifelte, die in einer apokalyptischen Welt leben, in der Öl und Gas nicht nur Natur, sondern auch Leben zerstören. In den Kohlerevieren Polens zeigte sich ihm ein Paradox: Obwohl die Bewohner vom jahrzehntelangen Abbau vernarbt waren, hoffen sie trotzdem, noch so lange wie möglich Kohle fördern zu dürfen – es sind Muster einer totalen Abhängigkeit.

In ihrer Internationalen Klassifikation der Krankheiten hat die Weltgesundheitsorganisation sechs Kriterien definiert, wann bei einem Patienten eine Suchtstörung vorliegt:

ein starker Wunsch oder Zwang, eine Substanz zu konsumieren
eine verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Menge oder der Beendigung der Einnahme
körperliche Entzugserscheinungen
Wirkverlust oder Dosissteigerung
ein erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen
fortgesetzter Konsum trotz Folgeschäden
Werden drei der Kriterien erfüllt, liegt eine Störung vor. Wird sie nicht behandelt, kann sie schwere körperliche und psychische Schäden verursachen.

WAHALA zeigt, wie sehr die Nachfrage nach Kohle, Gas und Öl zu einer selbstzerstörerischen Sucht geworden ist. Nicht nur wir konsumieren fossile Rohstoffe, fossile Rohstoffe konsumieren Landschaften und die Lebensgrundlagen von Menschen. Während anderswo die Erzählung von Wohlstand und Aufstieg dominiert, lenkt Robin Hinsch die Aufmerksamkeit auf die verdrängten Kosten für diesen Reichtum. Die größte Kraft entwickelt WAHALA dort, wo es zeigt, dass die Apokalypse keine diffuse Projektion der Zukunft ist. An manchen Orten hat sie längst begonnen. Nur wer es sich leisten kann, kann von dieser Erkenntnis überrascht sein. Fritz Habekuß

Fritz Habekuß, Jahrgang 1990, ist Redakteur der ZEIT und beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Mensch und Natur. 2020 erschien der Bestseller "Über Leben - Zukunftsfrage Artensterben" (Fritz Habekuß & Dirk Steffens).
 
 
 
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Die Welt ist Ganz: Von A bis Z (Teil 2)
Enzyklopädische Group–Schau — Open-Up Special

Ausstellungsdauer: 6.6.2020 bis 8.8.2020
Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von 15.00 – 18.00 Uhr, Samstag von 15.00 – 17.00 Uhr und nach Vereinbarung. 

Häschen in der Grube, wer hat das Alphabet erfunden? Das weiß kein Mensch, auch kein toter Hase, oder ist uns das entgangen? Und Wiki kann da nicht weiterhelfen. Trotzdem, ach was, gerade deshalb nehmen wir diese auf die Reihe gebrachte Anordnung inhaltsverheißender Zeichen ein weiteres Mal dazu her, eine schöne Struktur in unsere kleine Weltausstellung zu bringen. Die Galerie führt damit auch ihre Tradition der inhaltlich motivierten Gruppenausstellungen weiter. Damit die Menschen kommen und sich interessiert miteinander verständigen können.

A Jürgen Albrecht

B Mariola Brillowska, Tim Bruening, Joachim Franz Büchner

C Chapel of Thirst 

D Ulla Deventer, Katharina Duve

E Egal

F Christoph Faulhaber, Asana Fujikawa

G Corrina Goutos

H Jessica Herden, Robin Hinsch, Christian Hoosen

I Verena Issel

J Soyon Jung, Marcus Junge

K Nadine Kles

L Clemencia Labin, Barbara Lüdde

M Dirk Meinzer, Max Müller

N Franziska Nast, Frank Nikol

O Gerlind Øye

P Johanna Ploch

Q Quarantäne

R Rossology, Tex Rubinowitz

S Peter Sempel, Marcus Sendlinger, Jakob Sinn, Aleen Solari, Fynn Steiner, Malte Struck

T Andrea Tippel

U Ugurlu

V Nina Venus, Sergej Vutuc

W Margaux Weiß, Astrid Wettstein

X Mr. / Mrs. X

Y Yves Saint Laurent

Z Zobel

 

Statistik:

19 Frauen 

16 Männer

2 Begriffe

2 Bürgermeister

2 Mona Lisas

2 Publikationen

1 Sekte

1 Segte

1 Tier

1 Arzt

1 Modedesigner

1 Mr. / Mrs. X

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Veronica Burnuthian

RAUSCH
Ausstellungsdauer: 30.1. bis 8.3.2020

Zur Eröffnung gibt es eine Performance mit Veronica Burnuthian und Fabian Beger, danach und davor DJ Vander.

Sie lässt sich nicht zähmen, bürsten oder von der Kunstaristokratie kultivieren. Sie liebt die Lautstärke, das Schreien und das Exzessive. Ihre Gegen-Richtung bezeichnet sie selbst als „Sonderschule München“. Ihre Arbeit im Münchener Underground ist befeuert durch Dadaismus, Punk und DIY Kultur. In ihren Bands Markus und Friends of Gas verkörpert sie in ihren eigenen Worten „dadaistische Antimusik, Bruitismus und Sabotage“. Seit 2016 studiert Veronica „Katta“ Burnuthian in der berüchtigten „Klasse Oehlen“ unter dem zeitgenössischen Künstler und Professor Markus Oehlen, der einmal meinte, ihre Arbeiten seien wie Free Jazz, wie eine Instant Composition.

Wenn sie malt, befreit sich Veronica von allem und komponiert intuitiv wie im Rausch. In ihrer manchmal manischen Art begibt sich Burnuthian gefährlich nah an die Sonne, in schwindelnde Höhen, aber auch in finstere Löcher und tiefe Abgründe. Orte und extreme Zustände, denen sich nach wie vor nur die mutigsten Rebellen aussetzen. Wenn man so will, ist sie dort, um uns etwas zu zeigen: den Rausch. In Burnuthians Wimmelbildern kondensieren Raum und Zeit zu einem Flirren. Komik und Tragik sind drin in diesen bunten, abstrakten Akkumulationen und Verdichtungen. Angst zeichnet sich ab, die Überforderung wird schier greifbar… Aber es gibt immer einen Ausweg in diesem Labyrinth der Irrationalität, das in gewisser Hinsicht realistischer ist als jedes Foto. Man muss nur lange genug suchen und das Auge muss sich an das Grelle und die scharfen Kontraste gewöhnen.

Wir staunen über und verzweifeln an der heftigen Wirkung dieser rücksichtslosen Kombination aus Zeichnung und Malerei: Unschuldig wirkende Kinder-Tupfer und Kringel werden durch
schwarzes Gekrakel bedroht und durch toxische Farbschattierungen unterwandert, überbelichtet und zerstoben. Im nächsten Augenblick behauptet sich schon wieder das Zerbrechliche. Zeigt Veronica etwa Momentaufnahmen aus einem bizarr anmutenden Lebenszyklus? Wir nehmen Fahrt auf an geschwungenen Linien, Bögen und Spiralen und verletzen uns an spitzen Kanten auf einer Fallbeilsymphonie ins Paradies. Wir starren staunend auf irisierende Gewölbe, psychedelische Feuerbälle und Tausende kleiner lockiger, verspielter Mikrokosmen. Auf sich allein gestellte Tiere und menschliche Antlitze schauen sich an, nehmen Haltung zueinander ein und verschwinden schließlich gestenreich im Segen. Mit nur wenigen Strichen und Formen erreicht Burnuthian in den Details oft bereits eine erstaunliche Ausdruckskraft. Eine rätselhafte Symmetrie mit eigenen Regeln im Großen und Ganzen lässt ungezwungene Schönheit erblühen. Die Unmittelbarkeit ist ein weiterer Faktor. Ein unbekümmerter Instinkt prahlt stellenweise geradezu mit seiner eigenen Fehlbarkeit, als ob der Fehler König wäre. Lassen wir uns aber nicht täuschen: Die Triebfeder der jungen Künstlerin ist von äußerster Feinheit und Schärfe.

Neben vielen gerahmten Werken wird bei der Vernissage am 30. Januar bei Melike Bilir auch eine prominente Wandmalerei zu sehen sein, die Burnuthian kurz vor der Eröffnung fertigstellen wird! Mit ihrem Bandkollegen Fabian Beger in der Band „Markus“ spielt sie am Abend der Vernissage ein Konzert mit treibenden noisigen Beats aus analogen Synthesizern mit Gesang. Die armenisch-stämmige, in Brüssel geborene Künstlerin zeigt uns, wie produktiv Verweigerung auch 2020 noch sein kann.

Jenseits jeglicher Kalkulation auf Verwertbarkeit entsteht ein neuer verzerrter Kosmos bei Melike Bilir, den ganz allein Burnuthian mit ihrer extremen Sichtweise der alten Welt abtrotzen konnte, in dem alle Wirren magisch verklärt sind und gleichzeitig brutal hervortreten. Lassen wir uns darauf ein, schenken uns Burnuthians Bilder Erlösung. Zustimmung ist aber nur mit einem klaren „Nein!“ möglich. Von dem her: „Let me hear you say „No“!“ (Joachim Franz Büchner)

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Lutz Nikolaus Kratzer und Gäste

OUR PRIVATE INDIA
16.11.19  -  16.11.19

Our private India - Eine interaktive Musikperformance und Echtzeit-Komposition von und mit Lutz Nikolaus Kratzer im Rahmen der India Week 2019.

Anschliessend findet ein Konzert mit Chad Popple und John Hughes statt.

Samstag, 16. November 2019, von 19 - 22 Uhr

'Our private India' setzt sich aus einem eigens für diese Veranstaltung zusammengestellten Quartett aus Musikern und Künstlern zusammen, die sich bereits jeweils intensiv mit Indien beschäftigten und sich nun als musikalisch- künstlerisches Kollektiv zusammentun, um die Performance bei unterschiedlichen deutsch-indischen Anlässen im In- und Ausland zur Aufführung zu bringen. Der Performance liegt keine klar fixierte Inszenierung zugrunde, sie entsteht vor Ort und im Verbund mit allen Anwesenden. Lutz Nikolaus Kratzer führt moderierend und dirigierend durch das lebendige Klangexperiment und wird unterstützt durch instrumentelle Einlagen von Chad Popple, John Hughes und Carl John Hoffmann.

Lutz Nikolaus Kratzer (Echtzeitkomposition, Tabla, Visuelle Umsetzung)
Chad Popple (Indische Tabla, Percussions)
John Hughes (Kontrabass)
Carl-John Hoffmann (Multimediale Verknüpfung, Modifikation klassischer indischer Musikinstrumente)

Der Tourismus-Slogan 'My India' fördert in Indien ein Identitätsgefühl und lädt Touristen ein, den Subkontinent zu entdecken und sich ein eigenes Bild und Erfahrungen zu machen, das Land für sich zu erschließen. Der Name „My private India“ steht für ein höchst subjektives Erleben von Indien als auch für Interpretationen, Projektionen und sich den daraus ergebenden Vorurteilen.

Wie die meisten Besucher*innen des Abends wissen werden, ist Indien ein gigantisches multiethnisches Land mit einer beinahe unvorstellbaren kulturellen Vielfalt, in dem über hundert Sprachen gesprochen werden. Vollständig erfasst und gekannt werden kann es selbstverständlich von niemandem. Die interaktive Musikperformance „My private India“ möchte genau dies zum Thema machen und die unüberschaubare Fülle des zu Entdeckenden als sinnlichen Erfahrungsraum kollaborativ aufbereiten. Im Mittelpunkt stehen die schier unendlichen Möglichkeiten und Vorstellungen, die Schönheit des Unberechenbaren und der

Missverständnisse, wenn sich an einem Abend äußerst diverse Sichtweisen und unterschiedliche Wissensstände über Indien und seinen Musikkosmos akkumulieren. Es soll im Miteinander aller Anwesender über das Verhältnis von Musik, Bildern, Körpern und Bewegungen im Galerieraum ein dicht gewebter, vielschichtiger Klang- und Geräuschteppich mit unzähligen Knotenpunkten und Klangverknüpfungen aus Harmonien und Dissonanzen entstehen.

Ziel des Abends ist es, ein lebendiges Klangbild und synästhetisches Erleben zu erschaffen, in dem die Eindrücke über Indien von sämtlichen Besucher*innen mit ihren je spezifischen kulturellen Identitäten, persönlichen Erfahrungen, potentiellem Wissen oder musikalischen Kenntnissen performativ eingebunden werden. Egal, ob jemand aus Indien stammt oder nicht, Profimusiker oder Laie ist: Jede und jeder ist eingeladen sich an den Instrumenten auszuprobieren, ihnen Klänge zu entlocken, mitzugestalten oder nur zuzuhören. All diese von vielen als exotisch empfundenen Töne und Geräusche der Instrumente, aber auch spontane Wortbeiträge, werden in Echtzeit aufgezeichnet und technisch modifiziert in die akustische Umgebung eingeflochten. Das Klangbild wird im Verlauf des Abends und nach jedem neuen Beitrag immer vielschichtiger. Es wird dabei eine Live-Komposition angestrebt, die von Lutz Nikolaus Kratzer in situ arrangiert, rhythmisiert, besänftigt oder auf die Spitze getrieben wird. Alle treten in einen spielerischen, bisweilen unausgesprochenen und abstrakten Dialog, der über die Sprache hinausgeht und Grenzen überwinden soll und sich aus Erfahrungen, Erwartungen, Fiktionen, Imaginationen, Hoffnungen zusammensetzt. Das Produkt dieser ortsspezifischen Zusammenkunft ist jederzeit tatsächlich greifbar und hörbar.

Horizonterweiterung ist das ebenso ehrgeizige wie realistische Ziel dieses experimentellen Abends, der jede Zuschauerin und jeden Zuschauer garantiert auf eine anregende, humorvolle Reise in den Musikkosmos von „Our private India“ mitnimmt und in einen Dialog mit interessierten und kundigen Menschen schickt. Konfrontiert mit Vorurteilen, Wahrheiten, Hoffnungen und neuen Erkenntnissen. So entsteht ein zeitgemäß medial verknüpfter Mikrokosmos aus Behauptung, Wahrnehmung, Aneignung und Experiment. Aus „My private India“ wird UNSER privates Indien („Our private India“): ein polyphoner Zusammenklang aller subjektiven Versionen Indiens im kollektiven Bewusstsein dieses ungewöhnlichen Abends in der Galerie Melike Bilir.

Gefördert vom Musikfonds e. V. mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Kulturbehörde Hamburg.

Mit Freundlicher Unterstützung der Kulturbehörde Hamburg. 

Special Thanks to: Julia Dautel & Julie-Ann Shiraishi!

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